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Contribution Details

Type Master's Thesis
Scope Discipline-based scholarship
Title Rohstoffpreise als Ursache für Krisen und Konflikte
Organization Unit
Authors
  • Marco Guldener
Supervisors
  • Thorsten Hens
Language
  • German
Institution University of Zurich
Faculty Faculty of Economics, Business Administration and Information Technology
Date November 2014
Zusammenfassung I Problematik: Rohstoffkrisen, Nahrungsmittelkrisen und spekulationsgetriebene Blasen beherrschen alle paar Jahre die Titelseiten von Zeitungen und Fachzeitschriften. So titelte beispielsweise Palm (2011) im Handelsblatt: "Mittelstand steckt in der Rohstoffkrise", oder die Neue Zürcher Zeitung [NZZ] (2014a) in ihrem Wirtschaftsteil: "Wie die Nahrungsmittelkrise zu lösen ist". Aufgrund der steigenden Preise für Nahrungsmittel sowie zwei grösseren Preisspitzen im Jahr 2008 (Erber et al., 2008: 357) und 2011 (Lagi et al., 2011a), welche zeitgleich mit vielen Krisen stattgefunden haben, nimmt sich auch die Forschung vermehrt diesem Thema an. Dabei werden die Hintergründe und deren Auswirkungen für die Preisanstiege untersucht. Lagi et al. (2011b) identifizieren beispielsweise die Ethanolproduktion aus Mais, sowie die Spekulation auf Nahrungsmittel als Hauptgründe dafür. Dabei verursacht die Ethanolkonversion eher einen langfristigen Preissteigerungstrend, wohingegen die Spekulation auch zu kurzfristigen Preisausschlägen führen kann. Lagi et al. befürchten, dass hohe Preise sowie auch kurzfristige Preisschocks die Wahrscheinlichkeit von Krisen und Konflikten dramatisch erhöhen (Lagi et al., 2014a). Antworten auf die Frage nach den Ursachen und Auswirkungen von teuren Nahrungsmitteln werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Durch die Globalisierung und die fortschreitende Internationalisierung von Handelsströmen, werden die Verflechtungen von Volkswirtschaften und der Bevölkerung untereinander immer enger. Neben vielen Vorteilen bringt diese Entwicklung aber auch Herausforderungen mit sich (Habermas, 1998: 93-95). Die Abhängigkeit von Import- und Exportpreisen für wenige Güter macht die Bevölkerung verwundbar und führt nicht selten zu Versorgungsengpässen mit Nahrungsmitteln. Für die Privatwirtschaft aber auch den Staat ist es daher von zentraler Bedeutung, nicht nur die Ursachen, sondern auch die Auswirkungen von Nahrungsmittelknappheiten und steigenden Preisen zu kennen. Aus diesen Gründen nimmt sich die Forschung immer häufiger dieser Fragestellung an (Perraton, 2003: 42-46). II Zielsetzung: Aufbauend auf der bisherigen Forschung soll untersucht werden, ob hohe Nahrungsmittelpreise nicht nur für Nahrungsmittelkrisen verantwortlich sind, sondern auch ein Zusammenhang zu allgemeine Krisen besteht. Dabei soll durch verschiedene Analysen die These eines kausalen Zusammenhanges zwischen steigenden Nahrungsmittelpreisen und daraus resultierenden allgemeinen Konflikten getestet werden. Einleitend untersucht die Arbeit Aussagen bisheriger Forschungen auf ihre Gültigkeit und Übertragbarkeit auf allgemeine Krisen. Ein Grossteil der Untersuchungen werden anhand multipler Regressionsanalysen gemacht. Allerdings fordert die Thematik auch alternative Modelle, welche die Sachverhalte aus einem anderen Blickwinkel darstellen können. Die Arbeit soll zudem bisherige Forschungsergebnisse erweitern, indem sie explizit auf einzelne Länder Bezug nimmt und versucht, anhand eines Modells eine Vorhersage über die Anzahl zukünftiger Konflikte zu machen. III Aufbau: Nach einer Einführung in die Entwicklung des Nahrungsmittelhandels in Kapitel 2, bietet Kapitel 3 eine Zusammenfassung der bisherige Forschung zum Zusammenhang zwischen Nahrungsmittelpreisen und Krisen. Nachfolgend wird aufgezeigt, welchen zusätzlichen Beitrag diese Arbeit leistet. Am Ende des Kapitels werden die Vorgehensweise sowie einzelne zentrale Herausforderungen, welche im Zentrum stehen, weiter ausgeführt. Kapitel 4 beschäftigt sich mit den analysierten Krisen. Kapitel 5 schränkt den Beobachtungszeitraum ein, da nur für eine begrenzte Anzahl Jahre verwertbare Daten zur Verfügung stehen. Ebenso fokussiert Kapitel 5 auf die unterschiedlichen Nahrungsmittel und Indizes, welche für die Analysen verwendet werden. Kapitel 6 untersucht, als Kernstück der Arbeit, den Zusammenhang von Nahrungsmittelpreisen und Krisen. Unterschiedliche Analysen sollen das Verständnis für deren Zusammenhänge verdeutlichen. Die Erkenntnisse aus Kapitel 6 sollen sodann helfen, ein Vorhersagemodell für zukünftige Krisen zu entwickeln. Kapitel 7 beschreibt das Vorhersagemodell sowie dessen Aussagekraft. Kapitel 8 greift noch einmal die gewonnenen Erkenntnisse auf und fasst diese zusammen. Zusätzlich wird aufgezeigt, in welche Richtung weitergehende Forschung interessant sein könnte. IV Resultate: Die Ergebnisse der Analysen bestätigen, dass die Mehrheit der Beobachtungen in früheren Arbeiten zu Nahrungsmittelkrisen, auch bei allgemeinen Krisen gelten. Anhand einer Thresholdanalyse kann gezeigt werden, dass ein spezifisches Nahrungsmittelpreislevel existiert, ab welchem die Anzahl Konflikte sprunghaft ansteigt. Durch länderspezifische Untersuchungen kann beobachtet werden, dass die Auswirkungen von Preiserhöhungen für nahrungsmittelpreissensitive Länder deutlich schlimmer sind, als für preisinsensitive Länder. In Zeiten von hohen Nahrungsmittelpreisen leiden ärmere Länder darum auch deutlich öfter unter gewalttätigen Auseinandersetzungen als reichere Länder. Verschiedene Regressionsanalysen ergeben, dass der Zusammenhang zwischen allgemeinen Krisen und hohen Nahrungsmittelpreisen sehr hoch ist und ein kausaler Zusammenhang wahrscheinlich. Untersuchungen anhand von einzelnen Ländern zeigen zudem, dass die Abhängigkeit von internationalen Preisen einen signifikanten Einfluss auf die Anzahl Krisen hat. Die Ergebnisse der Regressionsanalyse widersprechen hingegen der Annahme, dass die politische Stabilität einen Einfluss auf die Krisen hat. Vielmehr scheint es so, dass die politische Stabilität ebenfalls von den Nahrungsmittelpreisen abhängt und damit nicht die Ursache für die Krisen ist. Das Vorhersagemodell ermöglicht es einen groben Trend zu erfassen. Allerdings ist keine genaue Aussage über die zukünftige Anzahl Krisen möglich.
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